Vor 60 Jahren – Aktion Ungeziefer

Leben in der Sperrzone an der Grenze der DDR zur BRD

Am 26.5.2012 wurde in der Gedenkstätte „Hötensleben“ in einer Gedenkfeier der Opfer der im Mai 1952 begonnenen „Säuberung“ der grenznahen Gebiete an der DDR-Grenze zur BRD gedacht. Die Aktionen wurden unter den Bezeichnungen „Aktion Ungeziefer“ und „Aktion Kornblume“ durchgeführt. Rund 12000 DDR-Bürger wurden damals aus den Grenzgebieten zwangsausgesiedelt und ihre Häuser und Dörfer zum Teil zerstört.

Braunschweiger Zeitung, 29.5.2012, S.11 

 

Geschichtliche Hintergründe

Schon ab 1952 wurde die Demarkationslinie zur Bundesrepublik seitens der DDR aufgrund der Verordnung über Maßnahmen an der Demarkationslinie zwischen der Deutschen Demokratischen Republik und den westlichen Besatzungszonen vom 26. Mai 1952 verstärkt abgeriegelt.
Die „Aktion Ungeziefer“ war ein Tarnname (im Gebrauch waren auch die Bezeichnungen Aktion Grenze und Aktion G) einer vom Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der DDR vorbereiteten und von der Volkspolizei durchgeführten Zwangsumsiedlungsaktion, in deren Verlauf zwischen Mai und Juni 1952 von der Staatsführung als „politisch unzuverlässig“ eingeschätzte Bürger mit ihren Familien zwangsweise von der innerdeutschen Grenze in das Landesinnere umgesiedelt wurden. Grundlage und Auslöser dieser Aktion war die vom Ministerrat am 26. Mai 1952 beschlossene „Verordnung über Maßnahmen an der Demarkationslinie zwischen der Deutschen Demokratischen Republik und den westlichen Besatzungszonen Deutschlands“ (Gesetzblatt – GBl - der DDR Nr. 65 vom 27. Mai 1952 [Ausgabetag], S. 405). Offiziell wurde die „Festigung“ der innerdeutschen Grenze als Ziel genannt.

 

Eine Schulklasse beobachtet vom Gebiet der BRD (Landkreis Kronach) aus den Abriss von Gebäuden auf der anderen Grenzseite. Da die Häuser zu nah an der Demarkationslinie standen, behinderten sie die Wach- und Sicherungsmaßnahmen.

 

Problematisch waren Gehöfte, Betriebe und kleinere Dörfer in unmittelbarer Grenznähe. Mehrheitlich wurde deren Aufgabe erzwungen; die Bewohner wurden nach und nach umgesiedelt, die Gebäude geschleift. Größere Ortschaften, beispielsweise Großburschla oder Großensee (Thüringen), wurden hingegen verschont, obwohl deren topographische Lage extrem ungünstig für die Überwachung der Grenzanlagen war. Die Postleitzahlen der geschleiften Hofstellen und Dörfer wurden in den Verzeichnissen weitergeführt.

 

Das Gebiet links der Straße hinter dem (Grenz-) Zaun liegt auf dem Gebiet der DDR. 1962 wurden die Bewohner der Häuser nachts von Soldaten des „Kommandos Grenze“ aus den Betten geholt und abtransportiert.

 

So sah das gleiche Gebiet kurze Zeit später aus.


Beispiele für abgesiedelte Dörfer sind Billmuthhausen (etappenweise von 1965 bis 1978 abgetragen), Erlebach (etappenweise von 1975 bis 1986) und Leitenhausen (1971) im Landkreis Hildburghausen, Bardowiek und Lenschow im Kreis Grevesmühlen, Grabenstedt, Jahrsau (1970), Kaulsroth, Liebau (1975), Korberoth, Neuhof und Stöckicht. Das Leben im Sperrgebiet stellte eine enorme psychische Belastung für die dort lebende Bevölkerung dar. Eingaben und Beschwerden wurden auch von der Kirche und gesellschaftlichen Organisationen an die Regierung weitergeleitet. Die Staatsführung sah sich deshalb gezwungen, den Einwohnern eine finanzielle Entschädigung zu zahlen, der als „Sperrgebietszuschlag“ gewährt wurde.
Entlang der Grenze zu Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Hessen und Bayern bestand seit der Anordnung von 1954 auf dem Gebiet der DDR offiziell ein „Sperrgebiet“. Dieses setzte sich zusammen aus einer „5 km-Sperrzone“, einem 500 Meter breiten „Schutzstreifen“ und dem „10 m-Kontrollstreifen unmittelbar am Grenzzaun, dahinter folgte bis zur eigentlichen Grenzlinie ein von der jeweiligen Geländetopographie abhängiges „Niemandsland“. Der zehn Meter breite (gepflügte) Kontrollstreifen wurde auch „Todesstreifen“ genannt. Dieser Bereich war zeitweise vermint oder mit Selbstschussanlagen ausgerüstet.
Das Betreten des „Schutzstreifens“ oder der „Sperrzone“ war von besonderen Voraussetzungen abhängig, für Anwohner etwa durch einen Vermerk im Personalausweis, für Besucher durch einen extra auszustellenden „Passierschein“.


Philatelie zum Thema „Sperrgebiet“

Für uns „Einheits“-Philatelisten stellt sich die Frage, ob die Maßnahmen auf der ostdeutschen Seite der innerdeutschen Grenze auch mit philatelistischen Mitteln dokumentiert werden können. In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu wissen, welche Orte im Sperrgebiet lagen. Belege, die aus solchen Orten kamen oder gingen, können in Verbindung mit einem Passierschein für diesen Ort in ihrer Aussagekraft noch verstärkt werden.


Brief an einen Empfänger in Hasenthal, im Sperrgebiet zur BRD

 

Hasenthal / Thüringen, gegenüber Tettau / Bayern
Passierschein für einen Besuch bei dem Empfänger des zuvor abgebildeten Briefs

 

 

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